Nur 8,5 % der derzeitigen Hemp-Cannabinoid-Produkte könnten nach Einschätzung von Whitney Economics unter den neuen US-Bundesregeln im Verkauf bleiben. Betroffen wären laut dem neuen Branchenbericht nicht nur berauschende Cannabinoid-Produkte, sondern auch nicht berauschende Produkte mit CBD.
Der am 9. September 2026 öffentlich vorgestellte 2026 U.S. Hemp Cannabinoid Report schätzt den amerikanischen Hemp-Cannabinoid-Markt auf bis zu 38,7 Milliarden US-Dollar. Die besonders drastischen Folgen der Regulierung sind jedoch Prognosen auf Basis einer Branchenbefragung – keine bereits eingetretenen Marktverluste.
Nur 8,5 % der Cannabinoid-Produkte könnten übrig bleiben
Whitney Economics befragte im Juni und Juli 2026 Hemp-Unternehmen in 35 US-Bundesstaaten. Nach den selbst gemeldeten Daten der Teilnehmer würden bei unveränderter Umsetzung der 2025 beschlossenen Bundesregeln nur 8,5 % der verbleibenden Cannabinoid-Produkte weiter verkauft werden können.
Der Bericht hebt ausdrücklich hervor, dass dies auch nicht berauschende Produkte mit CBD betreffen kann. Damit geht die mögliche Wirkung der neuen Regeln über Produkte hinaus, die vor allem wegen ihrer berauschenden Wirkung verkauft werden.
Für den CBD-Markt ist das besonders relevant, weil die neue bundesrechtliche Hemp-Definition nicht mehr allein auf die bekannte Delta-9-THC-Grenze von 0,3 % auf Trockengewichtsbasis abstellt. Bei fertigen Produkten für den menschlichen Gebrauch spielt künftig auch die gesamte Cannabinoid-Menge im Verkaufsbehälter eine Rolle.
Warum auch gewöhnliche CBD-Produkte betroffen sein können
Die 2025 beschlossene Neudefinition von Hemp sieht für bestimmte fertige Cannabinoid-Produkte einen Grenzwert von 0,4 Milligramm combined total pro Behälter vor. Hinzu kommen neue Regeln für Cannabinoide, die nicht natürlich in der Cannabispflanze vorkommen oder außerhalb der Pflanze hergestellt werden.
Damit kann die Regulierung grundsätzlich auch für Full-Spectrum-CBD-Produkte relevant sein. Diese können geringe THC-Mengen enthalten, obwohl CBD ihr Hauptbestandteil ist und sie nicht als berauschende Produkte vermarktet werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass automatisch 91,5 % aller CBD-Produkte in den USA verboten werden. Die 8,5-%-Zahl bezieht sich auf die von Whitney Economics modellierte Hemp-Cannabinoid-Produktlandschaft insgesamt. Ob ein konkretes CBD-Produkt betroffen ist, hängt unter anderem von seiner Zusammensetzung, der Menge pro Verpackung und der regulatorischen Einstufung der enthaltenen Cannabinoide ab.
US-Hemp-Markt laut Bericht auf 38,7 Milliarden Dollar gewachsen
Abseits der Regulierung zeichnet der Bericht zunächst ein positives Bild der Branche. Whitney Economics beziffert den gesamten adressierbaren Markt für Hemp-Cannabinoide auf 38,7 Milliarden US-Dollar. Gegenüber der Analyse von 2023 entspricht das einem Wachstum von rund 36 %.
Nach der Modellierung hängen rund 350.000 Arbeitsplätze mit dem Sektor zusammen. Die Beschäftigten erzielen demnach zusammen etwa 13,9 Milliarden US-Dollar an Löhnen.
Diese Zahlen sollten nicht mit amtlichen Umsatz- oder Beschäftigungsstatistiken gleichgesetzt werden. Whitney Economics erstellt wirtschaftliche Modelle für die Hemp- und Cannabisbranche; die aktuelle Untersuchung basiert wesentlich auf Angaben von Marktteilnehmern.
Bericht prognostiziert bis zu 225.861 verlorene Arbeitsplätze
Deutlich drastischer fällt das Szenario für die neuen regulatorischen Bedingungen aus. Hochgerechnet auf den gesamten US-Markt erwartet Whitney Economics einen möglichen Rückgang um 225.861 Arbeitsplätze und rund 8,9 Milliarden US-Dollar an Löhnen.
Die modellierten Einzelhandelsumsätze könnten um 28,3 Milliarden US-Dollar sinken. Für die Bundesstaaten berechnet der Bericht einen möglichen Verlust von rund 2,1 Milliarden US-Dollar an Umsatzsteuereinnahmen.
Mehr als 70 % der befragten Unternehmen gaben laut Whitney Economics an, dass sie unter dem untersuchten regulatorischen Szenario entweder schließen oder ihre Aktivitäten ins Ausland verlagern müssten.
Wie belastbar sind die Zahlen?
Die Größenordnung macht den Bericht für die Regulierung des US-Hemp-Marktes interessant. Die Prognosen müssen aber im Kontext ihrer Methodik gelesen werden.
- Die Erhebung basiert auf selbst gemeldeten Daten von Hemp-Unternehmen aus 35 Bundesstaaten.
- Die Angaben zu Arbeitsplatz-, Umsatz- und Steuerverlusten sind Hochrechnungen und keine bereits gemessenen wirtschaftlichen Schäden.
- Die Aussage, dass nur 8,5 % der Cannabinoid-Produkte verbleiben könnten, stammt aus dem von Whitney Economics untersuchten regulatorischen Szenario.
- Die Zahlen dürfen deshalb nicht als amtliche Prognose der US-Regierung oder der FDA verstanden werden.
Whitney Economics bezeichnet sich als Wirtschafts- und Beratungsunternehmen für die Cannabis- und Hemp-Branche. Das Unternehmen erklärt zugleich, keine Position zur Legalisierung von Cannabis oder zu vorgeschlagenen Gesetzen einzunehmen.
Der Zeitplan hat sich inzwischen geändert
Ein weiterer Punkt ist für die Einordnung des Reports wichtig: Die Untersuchung entstand, während die strengeren Bundesregeln noch im November 2026 greifen sollten.
Inzwischen hat H.R. 6500 zentrale Teile des neuen bundesrechtlichen Hemp-Rahmens bis 11. Dezember 2026 verschoben. Die wirtschaftlichen Fragen aus dem Bericht verschwinden dadurch nicht, aber Unternehmen haben etwas mehr Zeit erhalten.
SaveSleuth hat die Verschiebung und die mögliche Bedeutung des künftigen 0,4-Milligramm-Grenzwerts für CBD-Produkte bereits ausführlich eingeordnet: USA verschieben strengere Hemp-Regeln: Was das für CBD-Produkte bedeutet.
Was die Zahlen für den CBD-Markt bedeuten
Der neue Bericht liefert erstmals eine aktuelle wirtschaftliche Größenordnung für die mögliche Wirkung der strengeren Hemp-Definition. Gerade die Einbeziehung nicht berauschender CBD-Produkte zeigt, dass die Debatte nicht nur Delta-8-, THC-Getränke oder andere berauschend vermarktete Cannabinoide betrifft.
Für Hersteller von Full-Spectrum-CBD kann insbesondere die Berechnung pro Verkaufsbehälter entscheidend werden. Ein niedriger prozentualer THC-Gehalt allein reicht künftig nicht in jedem Fall aus, um innerhalb der bundesrechtlichen Hemp-Definition zu bleiben.
Gleichzeitig lässt sich aus dem Whitney-Bericht nicht ableiten, welche konkreten CBD-Marken oder Produkte vom Markt verschwinden werden. Dafür müssten die jeweiligen Rezepturen, Packungsgrößen und Cannabinoid-Gehalte einzeln geprüft werden.
Keine direkte Auswirkung auf CBD in Deutschland
Die amerikanischen Hemp-Regeln ändern die Rechtslage für CBD-Produkte in Deutschland oder der Europäischen Union nicht. Hier gelten andere Vorgaben für Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik, Arzneimittel und weitere Produktkategorien.
Für den internationalen CBD-Markt bleibt die Entwicklung dennoch relevant. Sie zeigt, wie eine Regulierung, die eigentlich stärker zwischen verschiedenen Cannabinoid-Produkten unterscheiden soll, auch klassische CBD-Segmente erreichen kann.
Quellen
- Whitney Economics: U.S. Hemp Cannabinoid Report for 2026 – Veröffentlichung vom 9. September 2026
- Whitney Economics: 2026 U.S. Hemp Cannabinoid Report
- U.S. Government Publishing Office: H.R. 6500 – Continuing Appropriations and Extensions Act, 2027
- Federal Register: Einordnung der geänderten Hemp-Definition und des 0,4-mg-Grenzwerts
- Cannabis Business Times: Einordnung des 2026 U.S. Hemp Cannabinoid Report


