CBD Novel Food in Großbritannien – FSA vor ersten Zulassungen

Großbritannien vor ersten offiziellen CBD-Zulassungen als Novel Food

Der britische CBD-Markt steht vor einem wichtigen regulatorischen Schritt. Die Food Standards Agency (FSA) empfiehlt erstmals, drei hochreine CBD-Novel-Food-Anträge zu genehmigen. Am 16. September 2026 behandelte das FSA Board die Empfehlungen auf seiner Sitzung in Swansea. Stimmen die zuständigen Minister zu, wären es die ersten offiziellen CBD-Novel-Food-Zulassungen in Großbritannien.

Update vom 17. September 2026:

Das FSA Board hat die Empfehlungen zu den ersten drei CBD-Novel-Food-Anträgen am 16. September auf seiner Sitzung in Swansea behandelt. Eine endgültige Zulassung ist damit noch nicht verbunden: Die Entscheidung über RP 7, RP 350 und RP 427 liegt weiterhin bei den zuständigen Ministern. Offizielle Sitzungsprotokolle mit dem Ergebnis der Board-Beratungen waren zum Zeitpunkt dieses Updates noch nicht veröffentlicht.

Die am 3. September 2026 veröffentlichten Empfehlungen der FSA sehen eine Zulassung der drei Anträge unter festgelegten Bedingungen vor. Nach Abschluss des Board-Schritts sollen die Empfehlungen den zuständigen Ministern in England und Wales vorgelegt werden. Erst sie entscheiden über die tatsächliche Zulassung und die verbindlichen Bedingungen.

Welche drei CBD-Anträge die FSA zulassen will

Bei den drei Verfahren handelt es sich nicht um einzelne Handelsprodukte, sondern um Novel-Food-Anträge für hochreines CBD mit einem Reinheitsgrad von mindestens 98 Prozent:

  • RP 7: synthetisch hergestelltes CBD,
  • RP 350: CBD-Isolat,
  • RP 427: aus Hanf gewonnenes CBD-Isolat.

Für alle drei Anträge liegen positive Sicherheitsbewertungen vor. Die FSA kommt nach Abschluss der öffentlichen Konsultation zu dem Ergebnis, dass die Novel Foods unter den vorgesehenen Verwendungsbedingungen zugelassen werden können.

Damit endet das Verfahren aber noch nicht. Die Behörde spricht ausdrücklich von Empfehlungen an die Minister. Eine Formulierung wie „Großbritannien hat CBD zugelassen“ wäre zum jetzigen Zeitpunkt deshalb falsch.

Was am 16. September passiert ist

Das FSA Board tagte am 16. September 2026 in Swansea. Die Empfehlungen zu den ersten CBD-Novel-Food-Zulassungen gehörten zu den Themen der Sitzung.

Das veröffentlichte Board Paper sah vor, die Ergebnisse der Konsultation und den vorgeschlagenen regulatorischen Ansatz zu diskutieren und zu entscheiden, ob die Empfehlungen für eine Vorlage an die Minister in England und Wales geeignet sind.

Dieser Verfahrensschritt ist von der eigentlichen Zulassung zu unterscheiden. Zum Zeitpunkt dieses Updates waren noch keine endgültigen ministeriellen Genehmigungen für RP 7, RP 350 oder RP 427 veröffentlicht. Auch ein offizielles Sitzungsprotokoll mit dem abschließenden Ergebnis der Board-Beratungen lag noch nicht vor.

Public List bedeutet bisher keine offizielle Zulassung

Wichtig: Public List ≠ Authorisation.

Rund 3.000 CBD-Produkte auf der britischen Public List sind mit den drei jetzt behandelten Anträgen verknüpft. Trotzdem gelten Produkte auf dieser Liste bislang weiterhin als nicht zugelassene Novel Foods. Die Public List wurde als Übergangslösung eingerichtet, während die eigentlichen Zulassungsverfahren laufen.

Die FSA empfiehlt den lokalen Behörden bisher, ihre Kontrollen vorrangig auf CBD-Produkte zu konzentrieren, die gar nicht auf der Public List stehen. Das verschafft gelisteten Produkten eine andere praktische Position am Markt, ersetzt jedoch keine formale Novel-Food-Zulassung.

Genau deshalb ist der aktuelle Schritt so relevant. Er könnte erstmals den Übergang von diesem jahrelangen Zwischenstatus zu einer regulären Zulassung einleiten. Die FSA bezeichnet die Empfehlungen als wichtigen Schritt, um den CBD-Markt in regulatorische Compliance zu überführen.

Eine Genehmigung der drei zugrunde liegenden Novel Foods sollte allerdings nicht als pauschale Freigabe jeder einzelnen der rund 3.000 gelisteten SKUs verstanden werden. Produkte müssen die jeweiligen Zulassungsbedingungen erfüllen. Auch die künftigen Übergangsregeln für die Public List sind noch nicht abschließend festgelegt.

CBD soll nicht nur in Nahrungsergänzungsmitteln möglich sein

Die FSA empfiehlt, alle drei Novel Foods für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln zuzulassen. Beim Antrag RP 350 sollen darüber hinaus bestimmte Getränke und Süßwaren unter die Genehmigung fallen können.

Damit wäre eine Novel-Food-Zulassung jedoch kein Freibrief für beliebige Rezepturen oder Vermarktungsformen. Das jeweilige Lebensmittel dürfte nur unter den festgelegten Bedingungen und Spezifikationen in Verkehr gebracht werden.

Auch bestehende Einschränkungen für Gesundheits- und Heilversprechen bleiben bestehen. Im britischen Register gibt es derzeit keine zugelassenen Nutrition- oder Health-Claims für CBD. Anbieter dürfen aus einer Novel-Food-Zulassung daher keine offiziell bestätigte gesundheitliche Wirkung ableiten.

FSA hält an 10 mg CBD pro Tag fest

Ein zentraler Bestandteil der vorgeschlagenen Zulassungsbedingungen ist die vorläufige akzeptable Tagesaufnahme von 10 mg CBD pro Tag für Erwachsene. Die FSA will diese Grenze auch künftig deutlich auf der Verpackung kommuniziert sehen.

Zusätzlich sollen Warnhinweise für mehrere Gruppen verpflichtend sein. Dazu gehören:

  • Personen unter 18 Jahren,
  • Schwangere und Stillende,
  • Personen, die versuchen schwanger zu werden,
  • Menschen, die Medikamente einnehmen,
  • immungeschwächte Personen.

Nach der Konsultation hat die FSA die vorgeschlagene Formulierung zur Tagesaufnahme verkürzt, hält aber inhaltlich an der 10-mg-Grenze fest. Hinweise zu gefährdeten Gruppen sollen ebenfalls Teil der Zulassungsbedingungen bleiben.

FSA und EFSA bewerten die tägliche CBD-Menge unterschiedlich

Bemerkenswert ist der Unterschied zur Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die EFSA legte im Februar 2026 einen vorläufigen sicheren Wert von 0,0275 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht und Tag fest. Für einen Erwachsenen mit 70 Kilogramm entspricht das ungefähr 2 mg täglich.

Der EFSA-Wert gilt dabei nicht allgemein für jedes CBD-Produkt. Er bezieht sich auf Nahrungsergänzungsmittel mit mindestens 98 Prozent reinem CBD, ohne Nanopartikel und unter weiteren Voraussetzungen zur Herstellung und Genotoxizität.

Für Personen unter 25 Jahren, Schwangere und Stillende sowie Menschen, die Medikamente einnehmen, konnte die EFSA auf Grundlage der vorhandenen Daten keine sichere Aufnahme bestimmen.

Die FSA geht in ihrer aktuellen Empfehlung ausdrücklich auf diese Abweichung ein. Sie verweist darauf, dass FSA und EFSA unterschiedliche Datensätze und Bewertungsansätze verwendet haben, und hält weiterhin an ihrem eigenen vorläufigen Wert von 10 mg pro Tag fest.

THC und andere kontrollierte Cannabinoide bleiben begrenzt

Die geplanten Zulassungen betreffen hochreines CBD und gehen mit konkreten Spezifikationen für Δ9-THC sowie weitere kontrollierte Cannabinoide einher. Die FSA will diese Stoffe weiterhin streng begrenzen und die Vorgaben mit dem bestehenden Lebensmittel- und Betäubungsmittelrecht abstimmen.

Bei RP 427 wurde die ursprünglich vorgesehene THC-Spezifikation nach zusätzlichen Daten des Antragstellers angepasst. Die Behörde betont zugleich, dass Grenzwerte für die einzelnen CBD-Isolate nicht pauschal vereinheitlicht werden sollen, sondern zum jeweiligen Produkt und Herstellungsverfahren passen müssen.

Zusätzlich plant die FSA weitere Leitlinien für Behörden und Unternehmen. Diese sollen insbesondere klären, wie Novel-Food-Recht, THC-Vorgaben und die Zuständigkeiten anderer Behörden zusammenspielen.

Die endgültige Entscheidung liegt bei den Ministern

Die drei Anträge haben inzwischen die Sicherheitsbewertung, die öffentliche Konsultation und die Beratung auf Board-Ebene erreicht. Die endgültige Entscheidung bleibt jedoch bei den Ministern in England und Wales. Erst mit einer positiven ministeriellen Entscheidung würden die ersten CBD-Novel-Food-Zulassungen tatsächlich erteilt.

Schottland läuft dabei über einen eigenen Entscheidungsweg. Food Standards Scotland berät die schottischen Minister separat, arbeitet nach Angaben der FSA aber an einem möglichst abgestimmten Vorgehen.

Für Nordirland gelten wegen des Windsor Framework zusätzliche Regeln. Die FSA weist darauf hin, dass Unternehmen für regulierte Produkte grundsätzlich das EU-Verfahren berücksichtigen müssen. Unter bestimmten Voraussetzungen können in Großbritannien zugelassene Produkte zugleich über das Northern Ireland Retail Movement Scheme nach Nordirland gelangen.

Auch kommerziell ist das Verfahren noch nicht vollständig geklärt. Alle drei Antragsteller haben Schutz für bestimmte proprietäre Daten beantragt. Wird dieser gewährt, kann eine Novel-Food-Zulassung für einen Zeitraum von fünf Jahren zugunsten des jeweiligen Antragstellers geschützt sein, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Weitere CBD-Anträge befinden sich bereits im Verfahren

RP 7, RP 350 und RP 427 sind nicht die einzigen CBD-Anträge, die das britische Zulassungsverfahren durchlaufen. Nach Angaben der FSA wurden inzwischen 14 positive Sicherheitsbewertungen für CBD-Novel-Foods mit mehr als 97 Prozent Reinheit veröffentlicht.

Eine weitere Gruppe von zehn CBD-Anträgen befindet sich bereits in der Risk-Management-Phase. Die ersten drei möglichen Zulassungen könnten damit den regulatorischen Weg für einen größeren Teil des bisherigen britischen CBD-Marktes vorzeichnen.

Was sich für den britischen CBD-Markt ändert

Am 17. September 2026 bleibt der entscheidende Punkt: Noch ist keiner der drei CBD-Novel-Food-Anträge endgültig zugelassen. Seit der ursprünglichen Veröffentlichung dieses Beitrags hat das Verfahren jedoch einen weiteren Schritt genommen: Das FSA Board behandelte die Empfehlungen am 16. September. Der nächste entscheidende Schritt ist die ministerielle Entscheidung.

Für einen Markt, der seit Jahren mit der Public List und einem Übergangsmodell arbeitet, wäre eine positive Entscheidung ein regulatorischer Einschnitt. Erstmals könnten CBD-Novel-Foods in Großbritannien einen regulären Authorisation-Status erhalten, statt lediglich während eines noch laufenden Zulassungsverfahrens am Markt geduldet zu werden.

Der aktuelle Stand zeigt zugleich, dass es nicht nur um drei isolierte Anträge geht. Weitere CBD-Novel-Foods befinden sich bereits in fortgeschrittenen Phasen des Verfahrens. Die ersten ministeriellen Entscheidungen dürften deshalb auch Hinweise darauf geben, wie die britischen Behörden den Übergang vom bisherigen Public-List-System zu regulär zugelassenen CBD-Lebensmitteln organisieren.

Hinweis: Die genannten Tagesmengen und Warnhinweise geben die aktuellen regulatorischen Bewertungen von FSA und EFSA wieder. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.

Quellen

Weitere neue Studien, Gerichtsurteile und regulatorische Entwicklungen finden sich im SaveSleuth-Bereich CBD News & Recht.

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