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THC/CBD bei Demenz: LiBBY-Studie meldet weniger Unruhe

THC-CBD-Studie zu Unruhe bei schwerer Demenz

Eine Kombination aus THC und CBD hat in einer klinischen Phase-2-Studie die Unruhe bei Menschen mit schwerer Demenz reduziert. Die ersten Ergebnisse der sogenannten LiBBY-Studie wurden am 14. Juli 2026 auf der Alzheimer’s Association International Conference in London vorgestellt.

An der Untersuchung nahmen 120 Menschen mit Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen teil. Sie befanden sich in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium und kamen für eine Hospizversorgung infrage oder erhielten bereits eine entsprechende Betreuung.

Die Ergebnisse machen THC/CBD bei Demenz zu einem interessanten Forschungsansatz. Sie bedeuten jedoch nicht, dass handelsübliches CBD-Öl zur Behandlung einer Demenz geeignet ist. Untersucht wurde eine speziell entwickelte Arzneimittelformulierung mit genau festgelegten Mengen an THC und CBD.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die LiBBY-Studie untersuchte eine Kombination aus THC und CBD bei 120 Menschen mit schwerer Demenz.
  • Eine Verbesserung der Unruhe zeigte sich laut den Forschern bereits nach zwei Wochen.
  • Nach zwölf Wochen wurden bei 87,2 Prozent der behandelten Teilnehmer Verbesserungen festgestellt.
  • In der Placebogruppe lag dieser Anteil nach zwölf Wochen bei 23,6 Prozent.
  • Die Ergebnisse stammen bisher aus einer Konferenzvorstellung und einer Pressemitteilung.
  • Die untersuchte Formulierung ist kein frei verkäufliches CBD-Produkt.

Was wurde in der LiBBY-Studie untersucht?

LiBBY steht für „Life’s End Benefits of cannaBidiol and tetrahYdrocannabinol“. Es handelt sich um eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-2-Studie.

Die Forscher wollten herausfinden, ob eine orale Kombination aus Cannabidiol und Tetrahydrocannabinol klinisch relevante Unruhe bei Demenz verringern kann. Die Behandlung wurde mit einem wirkstofffreien Placebo verglichen.

MerkmalAngabe
StudienphasePhase 2
Teilnehmer120 Menschen mit Demenz und klinisch relevanter Unruhe
StudiendesignRandomisiert, doppelblind und placebokontrolliert
Dauer12 Wochen
PrüfpräparatOrale Kombination aus THC und CBD
VergleichPlacebo
Primärer EndpunktVeränderung der Unruhe nach zwei Wochen
MessverfahrenCohen-Mansfield Agitation Inventory

Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei etwa 80 Jahren. Rund 55 Prozent waren Frauen. Nach Angaben der Alzheimer’s Association lebten ungefähr drei Viertel der Teilnehmer nicht in einer stationären Einrichtung, sondern in ihrem gewohnten Wohnumfeld.

Welche Ergebnisse wurden gemeldet?

Die Behandlung erreichte laut der auf der Konferenz vorgestellten Auswertung sowohl den primären Endpunkt als auch wichtige sekundäre Endpunkte. Der Unterschied zur Placebogruppe war bereits nach zwei Wochen erkennbar.

  • Nach zwei Wochen: Die mit THC und CBD behandelten Teilnehmer erreichten eine um 6,27 Punkte stärkere Reduktion der Unruhe als die Placebogruppe.
  • Nach zwölf Wochen: Der Unterschied gegenüber Placebo lag bei 8,23 Punkten.
  • Klinische Verbesserung nach zwei Wochen: 83,9 Prozent in der Behandlungsgruppe gegenüber 30,5 Prozent unter Placebo.
  • Klinische Verbesserung nach zwölf Wochen: 87,2 Prozent in der Behandlungsgruppe gegenüber 23,6 Prozent unter Placebo.

Die Bewertung erfolgte nicht allein anhand einzelner Verhaltensbeobachtungen. Die Forscher nutzten mit dem Cohen-Mansfield Agitation Inventory ein etabliertes Instrument zur Erfassung von Unruhe, wiederholten Bewegungen, lautem Rufen, Aggressivität und ähnlichen Symptomen.

Was bedeutet Unruhe bei Demenz?

Unruhe bei Demenz kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Betroffene laufen beispielsweise wiederholt umher, rufen laut, wiederholen einzelne Wörter oder Bewegungen, wirken angespannt oder reagieren verbal beziehungsweise körperlich aggressiv.

Bei einer fortgeschrittenen Demenz können viele Menschen Schmerzen, Angst, Durst oder andere Bedürfnisse nicht mehr klar mitteilen. Unruhe kann dann ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt.

Für Angehörige und Pflegekräfte ist es deshalb wichtig, zunächst nach möglichen Auslösern zu suchen. Dazu gehören Schmerzen, Infektionen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafmangel, Lärm oder eine ungewohnte Umgebung. Nichtmedikamentöse Maßnahmen bleiben in der Regel ein wichtiger erster Ansatz.

Welche Dosierung wurde verwendet?

Das Prüfpräparat trug die Bezeichnung T2:C100. Es enthielt sowohl THC als auch CBD und wurde oral verabreicht. Die Dosis wurde im Verlauf der Studie erhöht.

  • Zu Beginn erhielten Teilnehmer der Behandlungsgruppe zweimal täglich 2 mg THC und 100 mg CBD.
  • Ab der zweiten Studienwoche wurde die Dosis laut der veröffentlichten Zusammenfassung auf zweimal täglich 4 mg THC und 200 mg CBD erhöht.

Damit unterscheidet sich das Präparat deutlich von typischen CBD-Ölen, die in deutschen Onlineshops angeboten werden. Es enthielt eine pharmakologisch relevante THC-Menge und wurde unter kontrollierten medizinischen Bedingungen eingesetzt.

Grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Cannabinoiden erklären wir in unserem Ratgeber CBD und THC.

Wie sah es mit Nebenwirkungen aus?

Die allgemeine Häufigkeit unerwünschter Ereignisse war in beiden Gruppen ähnlich. In der THC/CBD-Gruppe waren 46,7 Prozent der Teilnehmer betroffen. In der Placebogruppe waren es 42,4 Prozent.

Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen zeigte sich jedoch ein deutlicherer Unterschied. Sie wurden bei 23,3 Prozent der behandelten Teilnehmer und bei 11,9 Prozent der Teilnehmer unter Placebo erfasst.

Nach Einschätzung der Studienärzte stand keines dieser schwerwiegenden Ereignisse in Verbindung mit dem Prüfpräparat. Diese Einschätzung sollte dennoch nicht mit einem endgültigen Sicherheitsnachweis gleichgesetzt werden. Die Teilnehmerzahl war begrenzt und die kontrollierte Studienphase dauerte zwölf Wochen.

CBD und THC können zudem mit anderen Wirkstoffen interagieren. Das ist bei älteren Menschen besonders relevant, da häufig mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen werden. Mehr dazu steht in unseren Übersichten zu CBD und Medikamenten sowie zu möglichen CBD-Nebenwirkungen.

Beweist die Studie eine Wirkung von CBD bei Demenz?

Nein. Die Ergebnisse dürfen nicht als allgemeiner Beweis für eine Wirkung von CBD bei Demenz verstanden werden. In der LiBBY-Studie wurde keine reine CBD-Therapie untersucht, sondern eine genau definierte Kombination aus CBD und THC.

Die Untersuchung befasste sich außerdem mit Unruhe in einem sehr späten Stadium der Erkrankung. Sie sollte weder das Fortschreiten der Demenz aufhalten noch Gedächtnisleistungen oder andere kognitive Fähigkeiten wiederherstellen.

  • Die Studie untersuchte keine Heilung von Alzheimer oder Demenz.
  • Sie untersuchte keine Vorbeugung gegen Demenzerkrankungen.
  • Sie beweist keine Wirkung handelsüblicher CBD-Öle.
  • Sie untersuchte eine spezielle Kombination aus THC und CBD.
  • Die Teilnehmer befanden sich in einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium.

Wer sich zunächst mit den Grundlagen von Cannabidiol beschäftigen möchte, findet sie in unserem Beitrag Was ist CBD?.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die LiBBY-Studie besitzt mehrere wichtige Qualitätsmerkmale. Sie war randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert und wurde an mehreren Standorten durchgeführt. Dadurch ist sie aussagekräftiger als eine reine Beobachtungsstudie oder eine kleine Fallserie.

Trotzdem handelt es sich bisher um sogenannte Topline-Ergebnisse. Zum Zeitpunkt unserer Prüfung am 24. Juli 2026 waren die wichtigsten Zahlen über die Alzheimer’s Association und den Eintrag im US-Studienregister verfügbar. Eine vollständige wissenschaftliche Publikation mit allen Daten und einer externen Begutachtung war dort noch nicht verlinkt.

Für eine abschließende Bewertung sind unter anderem detaillierte Angaben zu Studienabbrüchen, einzelnen Nebenwirkungen, statistischen Analysen und möglichen Unterschieden zwischen Teilnehmergruppen erforderlich.

Warum ist die Studie trotzdem relevant?

Menschen mit sehr schwerer Demenz werden nur selten in größere kontrollierte Studien aufgenommen. Gerade in der letzten Lebensphase besteht jedoch ein hoher Bedarf an Behandlungen, die belastende Symptome lindern können.

Die LiBBY-Studie zeigt, dass klinische Untersuchungen auch mit dieser besonders verletzlichen Patientengruppe grundsätzlich möglich sind. Gleichzeitig liefert sie einen neuen Ansatz für die Erforschung von Cannabinoiden bei Demenz.

Frühere Studien zu Cannabis bei Demenz kamen nicht immer zu eindeutigen Ergebnissen. Unterschiede bei Wirkstoffen, Dosierungen, Studiendauer und Krankheitsstadium erschweren direkte Vergleiche. Deshalb sollten die neuen Resultate durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.

Keine Grundlage für eine Selbstbehandlung

Die Ergebnisse sind kein Anlass, einem Menschen mit Demenz eigenständig CBD-Öl, Cannabisprodukte oder THC zu geben. Besonders THC kann Wahrnehmung, Kreislauf, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit beeinflussen.

Bei älteren und schwer erkrankten Menschen können zusätzliche Risiken entstehen. Dazu gehören Stürze, Schläfrigkeit, Verwirrtheit und Wechselwirkungen mit bereits verordneten Arzneimitteln.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Änderungen an einer bestehenden Medikation sollten immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Was passiert als Nächstes?

Zusätzlich zur zwölfwöchigen kontrollierten Studienphase wurde eine offene Verlängerungsphase durchgeführt. Deren Ergebnisse sollen ebenfalls im Zusammenhang mit der AAIC 2026 vorgestellt werden.

Entscheidend wird sein, ob die Resultate später vollständig in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift erscheinen und durch weitere Studien bestätigt werden. Erst dann lässt sich besser beurteilen, welchen Platz THC/CBD bei Demenz in der medizinischen Versorgung einnehmen könnte.

Häufige Fragen zur THC/CBD-Demenzstudie

Kann CBD Demenz heilen?

Nein. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass CBD Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung heilt. Die LiBBY-Studie untersuchte die Linderung von Unruhe bei Menschen in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium.

Wurde in der Studie gewöhnliches CBD-Öl verwendet?

Nein. Verwendet wurde ein speziell entwickeltes Prüfpräparat mit festgelegten Mengen an THC und CBD. Es ist nicht mit frei verkäuflichen CBD-Produkten gleichzusetzen.

Wie viele Menschen nahmen an der LiBBY-Studie teil?

Die randomisierte Studienphase umfasste 120 Teilnehmer mit Demenz, klinisch relevanter Unruhe und einer möglichen oder bereits bestehenden Hospizversorgung.

Sind die Ergebnisse bereits endgültig?

Nein. Die bisher veröffentlichten Angaben sind erste zusammenfassende Ergebnisse. Eine vollständige begutachtete Publikation ist für eine abschließende Beurteilung notwendig.

Darf man einem Demenzpatienten selbst CBD geben?

Eine eigenständige Behandlung ist nicht ratsam. CBD und THC können Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen. Die Anwendung sollte ausschließlich nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Fazit

Die LiBBY-Studie liefert bemerkenswerte erste Ergebnisse zur Behandlung von Unruhe bei Demenz. Bei den Teilnehmern, die die THC/CBD-Kombination erhielten, wurde häufiger eine klinische Verbesserung festgestellt als unter Placebo.

Die Resultate gelten jedoch für eine spezielle medizinische Formulierung und eine klar definierte Patientengruppe. Sie lassen sich nicht auf gewöhnliche CBD-Öle oder eine allgemeine Behandlung von Demenzerkrankungen übertragen.

Weitere Meldungen zu Forschung, Vorschriften und neuen Entwicklungen finden Leser in unserem Bereich CBD News & Recht in Deutschland.


Quellen

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